Women on Waves – Das Abtreibungsboot

Women on Waves - Abtreibungsschiff erreicht Marokko

Was für eine Begrüßung!
Kaum wollte das Schiff in Marokko an Land gehen, wurde es schon von Polizisten und Soldaten auf Kriegsschiffen (un)freundlichst gebeten, wieder zu verschwinden.
Vielleicht lag es daran, dass es sich bei den Besuchern nicht um verspätete Sommergäste aus Europa handelte, sondern um ein Abtreibungsboot der niederländischen Pro-Choice Organisation Women on Waves.
Nachdem das Schiff schon Länder wie Irland, Polen und Spanien mehr oder weniger erfolgreich besuchte, sollte das nun beim erstmaligen Besuch eines islamischen Landes letzten Donnerstag ungemütlich werden.

Während Soldaten an Bord die Mitglieder identifizierten und fotografierten, demonstrierten an Land ein Haufen konservativer Frauen und Männer mit Bildern von blutenden Föten gegen die Aktion.

Wer überhaupt?
Das Logo der Organisation Women on Waves

Die non-profit Organisation existiert seit 1999 und besucht Länder mit sehr strengen Abtreibungsgesetzen um den dort lebenden Frauen beim frühzeitigen Schwangerschaftsabbruch zu helfen.
Dafür geht das Schiff an Land, holt die Frauen ab und fährt zurück in internationales Gewässer, wo an Bord des Schiffs dann wieder die niederländischen Gesetze gelten.
Außerdem informiert man die Bevölkerung über die Möglichkeit der Abtreibung mittels völlig legaler Medikamente, die zwar für etwas anderes gedacht sind, aber: gets the job done!
Inwieweit man auch über gesundheitliche Risiken des Ganzen informiert ist fraglich…

War nun die Aktion letzte Woche gescheitert?
Eher nicht! Rebecca Gompert, die Initiatoren der Organisation, klingt sogar sehr erfreut.
Schließlich rücke durch die Handlung die Einstellung der islamistischen Regierung gegenüber Abtreibung und Frauenrechte in den Mittelpunkt der Öffentlichkeit.

Gesetzliche Grundlage in Marokko
Marokko ist das restriktivste Land Nordafrikas. Abtreibung ist nur erlaubt, wenn das Leben der Frau in Gefahr ist. Andernfalls drohen hohe Haftstrafen (6 Monate bis 2 Jahre für die Schwangere, bis zu 10 Jahre für den, der die Abtreibung durchführt!).
Anders als im benachbarten Algerien ist sogar die Abtreibung nach einer Vergewaltigung strafbar!

Mutter von Amina

Die Geschichte der sechzehnjährigen Amina bringt das Problem auf den Punkt.
Auf dem Schulweg wurde das Mädchen von einem Mann überfallen und vergewaltigt.
Doch weil sich ihre Mutter vor dem Gerede der Leute fürchtete (es gilt in Marokko als Schande, wenn ein Mädchen vor der Ehe die Jungfräulichkeit verliert), wurde sie gerichtlich gezwungen, ihren Vergewaltiger zu heiraten. Diesem entging dadurch eine Verurteilung, denn Vergewaltigung ist nicht strafbar, wenn der Täter sein Opfer anschließend heiratet (Artikel 475).
Nach nur 2 Monaten Zwangsehe endete im März diesen Jahres das groteske Trauerspiel: Amina begann Selbstmord, indem sie sich mit Rattengift vergiftete.

Die Präsidentin der marokkanischen Vereinigung für Menschenrechte sagt dazu: „Der Fall Amina ist alles andere als ein Einzelfall“
Hoffen wir mal, dass die Aktion Wellen schlägt und auf lange Sicht die Bevölkerung und Regierung zum Umdenken animiert.

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